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ZEIT - Interview
unseres

Chor-Vereins-
Vorsitzenden
Henning Scherf

 


Hendrik Werner: Papierstau, WK 2.1.2012


 


 


Verdi-Requiem im November 2010:
 
“Beim Dies irae wackelten die Wände - was für ein Werk, was für ein Chor!” Delmenhorster Kreisblatt 11.11.2010


“Und dem brachialen „Dies irae“ fehlt es nicht an der von Helbich geforderten plastischen Klangentfaltung. Diese lautstarke Sequenz mit den herrlichen, den Raum füllenden Trompetenrufen zum Jüngsten Gericht offenbarte vielleicht am deutlichsten, dass Helbich die metaphysische Würde weit weniger interessiert als die den Hörer bedrängende Kraft. Die Neue RathsPhilharmonie Bremen durchflutet mit Klangpracht die Intentionen des Dirigenten, argumentiert mit Feuer, aber auch mit Sensibilität. Den tiefsten Eindruck vermittelte der Bass Klaus Mertens, ein Sänger, dessen liturgisches Belcanto dank Tonschönheit und Erfahrung keine Wünsche offen ließ.” Weser Kurier 12.11.2010


“Am Sonntag sang wieder einmal der Bremer RathsChor in der Alexanderkirche (in Wildeshausen). Dieses Mal stand keines der großen, orchesterbegleiteten Oratorienwerke auf dem Programm. Der Chor trat vielmehr mit einem a-cappella-Programm auf, das er auch beim Chorfest in Hameln singen wird. Die Sänger bündelten Chormusik aus fünf Jahrhunderten, die Kürze der einzelnen Werke ermöglichte einen spannenden Überblick über die Musikgeschichte und die damit verbundene Stilvielfalt... “ Delmenhorster Kurier 1.6.2010


“Der Bremer RathsChor mit Mozarts Requiem am Karfreitag in der Christuskirche in Syke - das war einfach nur wundervoll. (...) Eine derartige musikalische Qualität uind Intensität hat diese Kirche schon lange nicht mehr erfahren.” Achimer Kreisblatt 6.4.2010


Wer dann bei dem so harmlos wirkenden Titel Fantasie eine leichte, unterhaltsame kleine Musik erwartet hatte, wurde überrascht. Von der konzentrierten Form und ausdruckstiefe ihrer Tonart, der Länge und Ausdehnung in seiner großen Dimension vom düsteren adagio am Beginn über das triumphierende Allegro bis zum ersterbenden ende wurden die Zuhörer von wahrer Meisterschaft in Atem gehalten.“
                                      Syker Kurier, 6.4.2010


Nun ist er dort angekommen, wo Wolfgang Helbich seit Langem hinstrebte: Im Herzen der Stadt, wenige Schritte vom Dom, wo er über drei Jahrzehntelang sehr erfolgreich gewirkt hat. Natürlich stellte er erstmals im großen Rahmen seine Neugründung vor, den nicht nur zahlenmäßig stattlichen „BremerRathsChor“, zusammen mit der „NeuenRathsPhilharmonie Bremen“, die sich fast ausschließlich aus Musikern der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen rekrutiert. Dabei konnte der souverän agierende Dirigent den Herzschlag des „Messiah“ aufspüren und dem Werk seine bewegende, an Spannungen reiche Interpretation sichern.“        Weser Kurier, 2.12.2009  


In der Lunser Kirche St. Cosmas und Damian, im Landkreis Verden wird sie wegen ihrer Größe auch Dom zu Lunsen genannt, hat der ehemalige Bremer Domkantor Wolfgang Helbich so etwas wie ein künstlerisches Exil gefunden. Nachdem „Weihnachtsoratorium“ sang der von ihm gegründete Bremer RathsChor dort nun Bachs „Johannes-Passion". Hört man dem fast 100 Sängerinnen und Sänger starken Bremer RathsChor zu, vergisst man schnell die Irritationen, die es anlässlich von Helbichs Pensionierung gegeben hatte. „Sein“ Chor bewältigte selbst heikle Passagen souverän und ließ sich bei den mehrstimmigen, hektisch aufeinander folgenden Passagen nicht aus der Ruhe bringen.“ Weser Kurier  14.4.2009


“Schon oft habe ich das Weihnachtsoratorium unter dem Dirigat von Wolfgang Helbich gehört, und es ist faszinierend, wie es ihm immer wieder gelingt, neue Aspekte zu entdecken. Seine Sichtweise aller sechs Kantaten, die er in diesem Jahr mit dem RathsChor und Mitgliedern der Deutschen Kammerphilharmonie vorlegte, bewies ein weiteres Mal, dass er eine Bachinterpretation erarbeitet hat, die historische Ausführungspraxis, souveräne Balance zwischen Chor, Solisten und Orchester mit einer Natürlichkeit des unmittelbaren Zugriffs auf die interpretatorische Gestaltung verbindet. (...) In diesem Jahr hat Wolfgang Helbich eine besonders eindringliche Interpretation gestaltet, woran nicht auch zuletzt die exzellenten Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, die frisch und geradlinig musizierten, einen hohen Anteil hatten, besonders die vortrefflichen Blech- und Holzbläser, aber auch, das wird häufig "überhört", der brillante Paukist.
Fast überflüssig zu bemerken, dass das Publikum in der Kirche stürmisch applaudierte. Zu Recht! Ein Mitschnitt des Konzerts ist Heiligabend um 20.03 Uhr im Deutschlandradio oder am 25.12. ab 12.30 Uhr und am 26.12. ab 12.05 Uhr im Nordwestradio zu hören.
Weser Kurier 08.12.2008


 . . .


taz 17.11.2008


Das Rathaus als Kultur-Asyl
Der ehemalige Domkantor Wolfgang Helbich wird heute offiziell vom Kultursenator geehrt –  mit einem Empfang


Ex-Domkantor Wolfgang Helbich wird heute mit einem Senatsempfang "für sein großes Engagement im Bremer Musikleben" geehrt. Zum Politikum wird der um zwölf Uhr beginnende Akt dadurch, dass sich Helbich von seinem eigentlichen Dienstherren - dem Vorstand der Domgemeinde - ohne jede Verabschiedung trennte. Hintergrund ist die Ablehnung von Helbichs Wunsch, nach dem 65. Geburtstag weiter zu arbeiten. Der Vorstand wollte einen personellen Neuanfang, um Einsparungen vornehmen zu können.
Nun also springt der Bürgermeister ein, um dem überregional profilierten Chorleiter und Dom-Dissidenten einen ehrenden Abschied zu veranstalten. Jens Böhrnsen tut das nicht als Kirchensenator, sondern als Chef des Kulturressorts - das für Kirchenmusik gar nicht zuständig ist. Allzu amtlich wollte er den Dom doch nicht düpieren.
Dabei ist es nicht das erste Mal, dass das Rathaus ausgleichend tätig wird, um einem verdienten Kultur-Matador Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Die Ehrung von Intendant Klaus Pierwoß vor anderthalb Jahren folgte einer ähnlichen Logik. Zwar hatte Pierwoß die Genugtuung, noch die Abwahl des mit ihm völlig über Kreuz liegenden Kultursenators Jörg Kastendiek zu erleben, doch da war es für die gewünschte Vertragsverlängerung zu spät. Als "Initiative der Gegner meiner Gegner" akzeptierte Pierwoß dann die als versöhnliche Geste gemeinte Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Rathaus.
Neu ist nun, dass sich die verprellten Kultur-Akteure gleich komplett in die (nominelle) Obhut des Rathauses begeben. Weil zwei Drittel des bisherigen Domchores weiter bei ihm singen will, hat Helbich einen "Raths-Chor" gegründet. Die Kirche reagiert mit einem Raum-Boykott, weshalb die Aufführung des Bach'schen Weihnachtsoratoriums am 6. Dezember in Lunsen stattfindet. An Heiligabend ist das Exil-Konzert bundesweit im Deutschlandradio zu hören.
Dem historisierenden "h" im "Raths-Chor" zum Trotz gibt es in Bremen keinerlei Tradition eines solchen Obrigkeits-orientierten Klangkörpers, aber immerhin singt schon ein ehemaliger Bürgermeister mit: Henning Scherf, der heute auch beim Senatsempfang spricht. Als Präsident des deutschen Chorverbandes hat Scherf übrigens einen Geschäftsführer, der die Personalpolitik der Bremer Hauptkirche ebenfalls am eigenen Leib erfahren hat: Als Organisator der Dommusik wurde ihm kurzerhand die Stelle halbiert.


Henning Bleyl
Seite 24   TAZN Nr. 8737 vom 17.11.2008


 


Weser Kurier Bericht 9.11.2008


Großes Aufgebot in der Lunser Kirche


Achimer will regelmäßig Konzerte veranstalten

Von Stefanie Bettinger THEDINGHAUSEN. Das Häuslebauen ist dem Schwaben ein wichtiges Ziel im Leben. Groß muss es sein, das Eigenheim. Da verwundert es nicht, dass Andreas Heintzeler seine Augen nicht lassen konnte von der großen Kirche, die mitten im Herzen des kleinen Dorfes Lunsen thront. Immerfort fuhr der gebürtige Schwabe an ihr vorbei, bis er sich 1986 einen Gottesdienst anhörte. Denn Heintzeler ist Diplom-Tonmeister bei Radio Bremen und ständig auf der Suche nach der perfekten Akustik.

Und die ist in der Lunser Kirche zumindest fast perfekt. "Nur die Vögel hört man ab und an zwitschern, sonst nichts", schwärmt der 60-jährige Musikregisseur. Und das hat er sich auch einmal zunutze gemacht. Als 1989 der Studiosaal seines Arbeitgebers renoviert wurde, fuhr er für eine CD-Produktion mit dem gesamten Aufnahme-Team nach Lunsen. "Es ging um einen Flüchtling, der sich in einer Szene im Wald verirrt. Da passte die Geräuschkulisse natürlich gut", erinnert sich Heintzeler. Alle paar Jahre werden in der Lunser Kirche seither CDs aufgenommen. "Das Gebäude ist mit Platz für 700 Menschen sehr großräumig angelegt und besteht zu großen Teilen aus Holz", sagt der Ton-Experte. Das ergebe einen besonders schönen, natürlichen Nachhall.
Die gute Akustik und das mittlerweile schön hergerichtete Kirchenschiff brachten Heintzeler im vergangenen Jahr auf eine Idee: die Einrichtung einer Lunser Konzertreihe. Der für Sommer 2008 geplante Auftakt platzte aber. "Bis Anfang des Jahres habe ich Vollzeit gearbeitet und insgesamt zu kurzfristig geplant", erklärt Projektvater Heintzeler. Dann fügte sich eins ins andere. Weihnachten rückte näher und damit die günstige Stunde für festliche Klänge. Und ein langjähriger Freund Heintzelers, der ehemalige Bremer Domkantor Wolfgang Helbich, suchte nach einer Auftrittsmöglichkeit.
Als Helbich das erste Mal die St. Cosmas und Damian-Kirche zwischen Achim und Thedinghausen betrat, ließ seine Zustimmung nicht lange auf sich warten: Gemeinsam wollen sie am Nikolaustag das gesamte Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach auf die Bühne bringen - eine Mammutveranstaltung also gleich zum Auftakt der neuen Konzertreihe. Die sechs Kantaten haben zusammen eine Länge von fast drei Stunden. "Sie werden eigentlich nie alle an einem Tag aufgeführt", sagt Heintzeler, dafür plane er aber eine ordentliche Pause ein, in der es auch etwas zu essen geben soll. "Es ist eine schöne, fließende Musik, die den Zuhörer nicht erschlägt", sagt der Experte. Sitzpolster würden von der Gemeinde organisiert und die Heizung auf mollig warm gestellt.
Zudem konnte Heintzeler mit Mitgliedern der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und dem Rathschor hochkarätige Musiker und Sänger für das Konzert gewinnen. 100 Sänger und 33 Musiker wollen das Weihnachtsoratorium mit Pauken und Trompeten zum Leben erwecken. "Ein Konzert in dieser Größenordnung hat es in der Lunser Kirche noch nicht gegeben", sagt Heintzeler. Beginn ist am Sonnabend, 6. Dezember, um 17.30 Uhr mit den ersten drei Kantaten. Nach einstündiger Pause geht es um 20 Uhr mit den anderen weiter. Die Karten, die je nach Kategorie 15 bis 45 Euro kosten, wird es nur im Vorverkauf geben, da die Pausenverpflegung geplant werden muss.
Für Heintzeler wird es auch am Konzertabend Arbeit geben. Für die Sender Deutschlandradio Kultur und Nordwestradio nimmt er das Konzert auf. "Beide wollen es an Heiligabend deutschlandweit senden", freut er sich.
© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 09.11.2008


 

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